Fussball Strahlentherapeutisch

December 17, 2014 webmaster  | Tags: Fussball, Strahlentherapeutisch, Prof. Dr. med. Felix Momm, Ernest Okonkwo, Reiner Steurer, Medizinphysiker

Nach Feierabend traf ich vor der Klinik ei- nen Kollegen aus der Chirurgie. Er deutete auf einen ziemlich ramponierten Fußball in seinem Kofferraum (Abbildung 1) und meinte grinsend und zwinkernd, dass wir Strahlentherapeuten doch wahre Wunder vollbringen könnten – vielleicht würde aus dem alten 2006er Sommermärchen-


Nach Feierabend traf ich vor der Klinik ei- nen Kollegen aus der Chirurgie. Er deutete auf einen ziemlich ramponierten Fußball  in seinem Kofferraum (Abbildung 1) und meinte grinsend und zwinkernd, dass wir Strahlentherapeuten doch wahre Wunder vollbringen könnten – vielleicht würde aus dem alten 2006er Sommermärchen-
WM-„Teamgeist“ ja durch eine gute Strahlentherapie ein neuer 2014er „Bra- zuca“? – Wenn ein Viszeralchirurg einmal im Leben die Profession des Radioonkolo-
 
einen VMAT-Bestrahlungsplan zu erstel- len, der die Haut des Balles mit einer Do- sis von 60 Gy und das Ventil mittels inte- griertem Boost, das heißt in einem Be- strahlungsvorgang, mit einer Dosis von 70 Gy versorgte (Abbildung 3). Der Ball si- mulierte dabei sehr gut zum Beispiel die Situation an einer zu bestrahlenden kon- kaven Thoraxwand mit maximaler Scho- nung der direkt anliegenden Lunge.
Ich verwendete die Abbildungen in ei- nem Vortrag über moderne Verfahren ingen so sehr schätzt, wird natürlich dessen Ehrgeiz geweckt. Bei aller Überzeugung von unserem Fach müssen wir dann zwar doch zugeben, dass wir keine Verjün- gungskuren – und sei es auch nur für Fußbälle – bewirken können. Aber durch eine Volumenmodulierte Arc Therapie (VMAT) sollte es möglich sein, höchst prä- zise nur die Haut des Balles zu bestrahlen und das Innere, die Luft, als „Risikoorgan“ zu schonen. – Kurzum: Ich lieh mir den Ball aus und brachte ihn eigenhändig zum Bestrahlungsplanungs-Computertomo- gramm, wo der ungewöhnliche Patient freudig empfangen und in der Mittags- pause scheibchenweise dargestellt wurde (Abbildung 2). Nach dem Einzeichnen der entsprechenden Zielvolumina im Pla- nungssystem opferten die ebenfalls fuß- ballbegeisterten Medizinphysiker ihren Feierabend und schafften es tatsächlich,
 
der Strahlentherapie – unter anderem vor Chirurgen. Den Zuhörern konnte sehr ein- fach veranschaulicht werden, dass wir mittlerweile mit einem geraden Strahl auch bizarre Volumina und sogar Hohlkugeln präzise mit einer Strahlendosis ausfüllen und so durch Schonung des gesunden Ge- webes Nebenwirkungen in erheblichem Maße vermeiden können. Als mir dann noch einer der Physiker berichtete, dass  sie aus der der Fußball-Planung vieles  über die Möglichkeiten und Grenzen unse- res Planungssystems und unserer Be- strahlungsgeräte gelernt hatten und in der Zukunft unsere Patienten davon profitieren würden, war ganz klar: Der schneidende Kollege hatte einen neuen Ball verdient – zumindest einen kleinen (Abbildung 4).
 
*unter Mitwirkung von Ernest Okonkwo und Reiner Steurer (Medizinphysiker)